An Arbitrary Menagerie from the Poetry of Maria Luise Weissmann

Translated from the German by James Reidel

 

 

Auszug der Tiere

 

Es waren eingekreist die ahnungslosen

Verirrten Tiere eh sie sich versahn

Von Wand und Wand. Ganz fern im Grenzenlosen

Zog noch von Himmel eine blasse Bahn.

 

In einer Nacht war Mond in ihren Träumen.

Sie brachen auf, gezogen in das fahle

Trügende Licht. Und wie ins Laub von Bäumen

Stiegen sie ins Geäst der Kathedrale.

 

Und stiegen träumend fort bis in das letzte

Gezweig der Giebel und erwachten kaum

Als sich ihr Fuß hinaus ins Leere setzte:

Sie fanden sich verstiegen in dem Raum,

 

Der Erde nicht und der nicht Himmel hieß,

Ganz heimatlos. Sie starrten in des Lichts

Ziehenden Strahl bis sie der Blick verließ

Und sie versteinten, irren Angesichts.

 

 

 

Exodus of the Animals

 

The animals were circled inside, 

Unwitting, astray, before they blundered

From wall to wall. Far away in the infinite,

A washed-out path still stretched from heaven.

 

For one night a moon was in their dreams.

They set out, trudging into the pale,

Deceptive light. And they climbed the limbs

Of the cathedral as though into a tree’s leaves.

 

And they climbed dreaming to the last

Branch of the gable and barely awake

As they stepped off into emptiness:

They found themselves climbing into space

 

That was neither called earth nor sky,

Utterly homeless. They stared into the light

Trailing one ray until it went out of sight

And they were turned to stone, faces mad.

 

 

Note: line 8, cathedral, the Frauenkirche (Church of Our Lady) in Nuremberg. The gable’s many empty niches were once occupied by sculptures that were destroyed in the Reformation.

 

 

 

 

 

 

 

Das Karussell

 

Sie standen stumm und lauschten dem Getön

Verstimmter Instrumente tief in Schlaf:

Die starren Tiere, bunt und wunderschön.

Da sie ein Kinderblick in Schmerz betraf,

 

Erwachten sie. Die Löwenmähne flog

Im Wind. So klang vom Elefantenzahn

Geläut der Schellen. Rüssel schnob. Es zog

In langem Zug die stolze Karawane

 

Dahin. Vor ihrem steilen Aufbruch lag

Ein Palmenwald, verstrickt in Abenteuer,

Aus Lichtraketen schoß der heiße Tag,

Kakteen brannten, purpurn, ungeheuer.

 

 

 

The Carousel

 

They stood silent and listened to the blare

Of instruments out of tune deep in sleep:

The rigid animals, parti-colored and pretty.

As they met the children’s pained look,

 

They awoke. The lion’s mane fluttered

In the wind. An elephant’s tusk

Loudly rang the bell. Its trunk snorted. Then

The proud caravan drew into a long train.

 

Before its arduous departure lay

A palm forest tangled in adventure.

The hot day shot from rockets of light.

Cactus burned crimson, monstrous.

 

 

 

 

 

 

 

Der Gorilla

 

Er atmet ihre Schwüle längst nicht mehr,

Doch lastet seinem Nacken immer noch der Traum der großen Seen

Und läßt ihn tief zum Sand gebückt und schwer

Im Takt zur Wiederkehr der Eisenstäbe gehn.

Er möchte wohl der Glanz der Papageien sein,

Das Duften der Reseden und der Walzerklang,

Doch bricht kein Strahl den trüben Spiegel seines Auges ein:

Die Hand trägt still gefaltet den beträumten Gang

Dem fremden Leuchten still und fremd vorbei.

Manchmal, im Schrei,

Der fernher trifft, fühlt er sich jäh dem Schlund

Des Schlafes steil emporgereckt entragen

Und knirschend seiner Stirne aufgewandtes Rund

An steingewölbte Firmamente schlagen.

 

 

 

The Gorilla

 

For some time he no longer breathed their sweltering heat,

Yet the dream of vast seas still weighs on his neck

And leaves him stooping in the sand and burdened

Pacing in their measure the repetition of iron bars.

He would like having the splendor of the parrots,

The smell of mignonettes, the resonance of a waltz, 

But no shaft of light pierces the cloudy mirror of his eyes:

A listless hand carries his dreamt passage folded

Past a strange source of light listless and strange.

Sometimes in a cry

Coming from far away, he suddenly feels himself 

Rising, stretching straight up from the gorge of sleep, 

And the spent dome of his forehead grinding,

Striking against firmaments of vaulted stone.

 

 

Note: line 6, mignonettes, beds of mignonettes found in European zoos and menageries were once used to mask the smell of the animals.

 

 

 

 

 

 

 

Die Katzen

Sie sind sehr kühl und biegsam, wenn sie schreiten,

Und ihre Leiber fließen sanft entlang.

Wenn sie die blumenhaften Füße breiten,

Schmiegt sich die Erde ihrem runden Gang.

 

Ihr Blick ist demuthaft und manchmal etwas irr.

Dann spinnen ihre Krallen fremde Fäden,

Aus Haar und Seide schmerzliches Gewirr,

Vor Kellerstufen und zerbrochnen Läden.

 

Im Abend sind sie groß und ganz entrückt,

Verzauberte auf nächtlich weißen Steinen,

In Schmerz und Wollust sehnsuchtskrank verzückt

Hörst du sie fern durch deine Nächte weinen.

 

 

 

The Cats

 

They are very cool and supple when they cry,

And their bodies flow softly along.

When they spread their petal-like paws,

The ground caresses their circular path.

 

Their gaze is unassuming and sometimes a little mad.

Then their claws spin strange threads,

A painful tangle of hair and silk,

Before cellar steps and broken shutters.

 

In the evening they are huge and utterly rapt,

Enchanted by those white stones in the night,

Spellbound sick with longing, in pain and lust

You hear them weeping far into your nights.

 

 

 

 

 

 

 

Insekten

 

Tagsüber bargen die Blätter,

Bäume und Blum ihr Gesicht.

Schatten war ihnen und Retter

Wieder ein flatterndes Licht.

 

Aber im Abend fiel fahle

Blässe durchsichtig zu Tal.

Mond, die geneigte Schale,

Goß den Strahl.

 

Welt war drunter die bleiche

Alles Verbergens bloß.

Sie auch zogen vorüber

Einsam und gläubig und groß:

 

. . .

  (nicht vollendet)

 

 

 

Insects

 

(fragment)

 

By day the leaves hid them,

Trees and flowers their face.

One more dappled light 

Was shade and a deliverer.

 

But with evening fell pale,

Valleyward, a translucent white.

The moon, a tipping bowl,

Poured its beam.

 

Below was a bleached world

Of just all things concealed.

They too passed by

In secret, in faith, in numbers:

 

[. . .]

 

 

 

 

 

 

 

Möwe über der Brücke

 

Dir unterm Fuß,

Zwischen den Ufern Schreitender, spannt

Sich der Brücke gewölbter Bogen.

 

Und eine Möwe,

Wie ein Gedanke fernher blitzend,

Schießt auf dich ihre blendende Bahn.

 

Eine Sekunde

Stößt ihr Auge in deines, greift

Dich der weißen Schwinge Umarmung.

 

Eine Sekunde

Hebt dich der Flug, trägt dich der Geist,

Der schwerelose, brausend empor.

 

Es weht dich an

Der unendliche Raum, es rauscht

Freiheit dir unermeßlich ums Haupt.

 

Wie ein Gedanke

Der weiße Vogel, fernhin sich windend,

Und kehrt dir einmal wieder vielleicht

Solange noch

Von Ufer zu Ufer, Wanderer, dich

Der Brücke schweigender Bogen trägt.

 

 

 

A Seagull over the Bridge

 

Under your feet,

The pedestrian between the banks, 

The bridge spans in a vaulted arch.

 

And a seagull,

Flashing like a distant thought,

Its blinding course darts toward you.

 

For a second,

Its eyes meet yours, 

The white wings’ embrace takes you.

 

For a second

Its flight lifts you, its spirit carries you,

A weightless thing, rushing upward.

 

Infinite space

Blows on you, unmeasurable

Freedom roars around your head.

 

Like a thought,

The white bird, wending far away, 

And someday perhaps it will return to you,

As long as 

The bridge’s silent arch supports you,

A wanderer from bank to bank.

 

 

 

 

 

 

 

Robinson füttert sein Lamm

 

Hier sind nicht Städte mehr, die rufen: bau!

Nicht Wein auch, der betörte: komm und schlürfe!

Kein Trug der Sehnsucht um die fremde Frau

Und keiner Tat, daß sie mein Tun bedürfe.

Hier fand sich wieder weit versprengtes Sein

Kristallen, inselhaft, ein klar Gefüge

Aus mir und mir, ersehnt. Und doch zu rein,

Daß es der Ungeweihte reinlich trüge:

 

Er fing ein Lamm im Weidenkäfig ein

Und pflegt es, zärtliche, geliebte Lüge.

 

 

 

Robinson Feeds His Lamb

 

There are no more cities here that cry: build!

Nor wine as well, which tempts: come and sip!

No deceptive longing for a strange woman

And no act such that she needs my act.

Here I found again the far exploded crystals 

Of being, isolated, a clear structure

Made of me and for me, desired. And yet too perfect,

Such that the uninitiated is perfectly deceived: 

 

He trapped a lamb in a willow cage 

And tenderly cares for it, his beloved lie.

 

 

 

 

 

 

 

Robinson und der Papagei

 

Als ich dich traf mit dem gefiederten Pfeil,

Du schönes Farbenspiel von Blau und Grün,

Langsam genasest du. Dein Fuß war heil;

Doch mochtest du nicht ganz mir mehr entfliehn:

Oft hört ich flattern plötzlich dich vom Ast –

Ich wanderte—da, dein vertrauter Ton

Rief, spottend, mich zurück, der ich mir fast

Entgangen endlich, rief:

                Robinson! Robinson . . .

 

 

 

Robinson and the Parrot

 

After I hit you with that feathered arrow,

You beautiful play of blues and greens,

You recovered slowly. Your foot mended;

Yet you didn’t really wish to escape me:

Often, I hear you fluttering from a branch—

I wandered—then came your familiar voice

Called me back, mocking the man I almost

Escaped finally, called:

                 Robinson! Robinson . . . 

 

 

 

 

 

Die drei Schönheiten Mnasidikas

 

Damit die Götter Mnasidika schirmten, hab ich der Aphrodite-die-das-Lächeln-liebt zwei männliche Hasen und zwei Tauben dargebracht.

 

Ich opferte dem Ares zwei kriegerische Hähne für den Ringkampf und weihte der Hekate, der Finsteren, zwei Hunde, die heulten unter dem Messer.

 

Und es geschah nicht ohne Absicht, daß ich diese drei Unsterblichen anflehte; denn Mnasidika trägt auf ihrem Antlitz den Widerschein ihrer dreifachen Göttlichkeit:

 

Ihre Lippen sind rot wie das Kupfer, ihre Haare bläulich wie das Eisen und ihre Augen schwarz wie das Silber.

 

 

 

The Three Beautiful Things about Mnasidika

 

So that the gods protect Mnasidika, I offered two male rabbits and two doves to she-who-loves-the-smiling, Aphrodite.

 

I sacrificed two fighting cocks for the wrestling match and consecrated to Hecate, the Dark One, two dogs that howled under the knife.

 

And it was not without purpose that I beseeched these three immortals, for Mnasidika wears upon her face the reflection of their triple divinity:

 

Her lips are as red as copper, her hair as blue as iron, and her eyes as black as silver.

 

Note: From the Mytilene Elegies, translated from Weissmann’s Nachdichtungen (German adaptions) after the French of Pierre Louÿs.

 

 

 

 

 

Maria Luise Weissmann was born in the Bavarian city of Schweinfurt in 1899. Little is known about her childhood, but she undoubtedly benefited from being the daughter of a high school teacher who taught Greek, Latin, and Classical literature. As a young adult, she lived in Nuremberg, where she published her first poems in the newspaper feuilletons as well as in modern literary reviews. Her work is often identified with the Young Franconia movement of the World War I period. In 1919 she moved to Munich with her companion, the poet and publisher Heinrich F. S. Bachmair. They married in 1923 and that year he published her first book, Das frühe Fest (The Early Feast) followed a year later by Robinson, persona poems based on the novel by Daniel Defoe. During the remaining years of the 1920s, she translated the lesbian poetry of Paul Verlaine and Pierre Louÿs. She had completed many of the poems that were to comprise her third book, Imago, but she died of angina in 1929. Most of her work was published posthumously by Bachmair during the last years of the Weimar period. Only a very limited selection of her poetry has appeared in English. The selection here is from a volume of collected poems, prose pieces, and translations from the French.

 

James Reidel has published in many journals, including The New Yorker, Paris ReviewPloughshares, and American Poetry Review. His recent appearances include PoetryQueen Mob’s Teahouse, Fiction Southwest, Wax PaperAdirondack ReviewShift: A Journal of Literary Oddities, and elsewhere—including The Best Small Fictions 2016. He is also the biographer of the poet Weldon Kees and a translator. In 2013, he was a James Merrill House fellow.

The Abandoned Playground is curated by Daniele Pantano.

Lincoln  •  Langenthal 

ISSN 2633-0725

© 2019–2021 The Abandoned Playground. All Rights Reserved.